Homöopathie Forschung und was in der Presse darüber zu erfahren ist

Wien, 10. April 2013: Ein kleines Häuflein Homöopathie-Skeptiker versammeln sich um 10:23 Uhr vor dem Stephansdom in Wien, um eine „Überdosis Globuli“ einzunehmen. Der Zeitpunkt hat nicht nur wegen Hahnemanns Geburtstag (Begründer der Homöopathie) Symbolcharakter. Die Uhrzeit steht für die Lochschmidtsche Zahl 1023. Sie gilt den Skeptikern als Hauptbeweis gegen die Homöopathie, denn bei dieser Verdünnung verliert sich die Spur der Ausgangssubstanz in einer Lösung.

Wie schon in früheren Jahren stösst das Ereignis auf grosse Resonanz in den Medien. Seriöse Veranstaltungen zur Wissenschaftlichkeit der Homöopathie finden regelmässig statt und genau so regelmässig werden sie von den Medien ignoriert.

Dies gilt auch für ein Symposium, das im November 2012 ebenfalls in Wien stattgefunden hat. Drei österreichische Homöopathie-Gesellschaften (ÄKH, ÖGHM und SIH) haben führende Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen um aus ihren Forschungen zu berichten. Die Mitglieder der Wiener Studentischen Initiative für Homöopathie (SIH) sorgen schon seit Jahren für eine strukturierte homöopathische Ausbildung mit internationalen Dozenten während des Medizinstudiums (www.sih.at). Das Motto des Symposiums (Evidenz Kontra Ignoranz) sollte auch den noch zweifelnden Mitstudenten deutlich machen: Die Homöopathie ist eine Wissenschaft und nicht eine Frage des Glaubens.

Gemäss dem Chemiker und Arzt Fritz Dellmour, welcher den Einführungsvortrag hielt, gibt es international über 1‘000 Forschungsarbeiten zur Homöopathie, davon mehr als 200 randomisierte Studien[1]. Von diesen weisen mehr als die Hälfte ein statistisch signifikant positives Ergebnis zugunsten der Homöopathie auf. Besser als durch den Goldstandard der RCTs wird die Realität der täglichen Praxis durch Outcom-Studien (=Ergebnis Studie) abgebildet, die in der aktuellen Homöopathie-Forschung einen wichtigen Platz einnehmen.

Michael Teut von der Charité in Berlin arbeitet seit Jahren in der Versorgungsforschung[2], speziell im Bereich Komplementärmedizin. Er berichtete über eine gross angelegte Beobachtungsstudie von C. Witt et al., an der über 100 homöopathische Ärzte beteiligt waren und fast 4‘000 Patienten mit ganz unterschiedlichen chronischen Krankheiten erstmals homöopathisch behandelt wurden. Zwei Drittel der Patienten konnten über acht Jahre beobachtet und befragt werden. Das Behandlungsergebnis wurde sowohl von den Ärzten als auch von den Patienten beurteilt und über 8 Jahre verfolgt. Bei der Hälfte der Patienten besserten sich die Beschwerden um 50% oder mehr. 80% der Studienteilnehmer waren mit der homöopathischen Behandlung zufrieden. Dem entsprach eine signifikante Besserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

Auch an der Universitätsklinik in Bern wird homöopathische Forschung unter der Leitung von Klaus von Ammon betrieben. Zusammen mit Heiner Frei und Kollegen publizierte er 2005 im European Journal of Pediatrics eine vielbeachtete Doppelblindstudie zur homöopathischen Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS). In dieser Studie besserte sich die Symptomatik bei 80% der Kinder um mehr als 50%. Die jungen Patienten wurden auch nach 2005 weiter beobachtet, mittlerweile über 10 Jahre. Die Tatsache, dass der Therapieeffekt in diesem Zeitraum weiter anhielt, spricht klar gegen einen Placeboeffekt.

Weiter berichtete der Wiener Intensivmediziner Prof. M. Frass über eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie auf der Intensivstation des AKH (Allg. Krankenhaus der Stadt Wien) bei welcher die Sterblichkeit bei Patienten mit schwerer Sepsis durch eine begleitende homöopathische Behandlung um mehr als 20% vermindert werden konnte.

Wenn es derartig hochwertige Studien zur Wirksamkeit der Homöopathie gibt, sowohl in Form der von der naturwissenschaftlichen Medizin geforderten RCTs als auch durch praxisnahe Versorgungsforschung – wieso können Skeptiker nach wie vor die Wirksamkeit der Homöopathie in Frage stellen und wieso bekommen sie in den Medien immer wieder eine Plattform? Und wieso wird im gleichen Zuge diese hochwertige Forschung durch die Journalisten schlicht nicht zur Kenntnis genommen?

Prof. K. Linde vom Zentrum für naturheilkundliche Forschung an der Technischen Universität München äussert sich dazu wie folgt:
Weil wir den Wirkmechanismus bis heute nicht kennen, steht auf der einen Seite die nach wie vor fehlende Plausibilität. Dennoch gibt es auf der anderen Seite eine grosse Zahl von positiven Einzelerfahrungen und Heilerfolgen, die von Skeptikern allerdings gerne dem Placeboeffekt zugeschrieben wird.

Und was ist mit den zahlreichen Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie belegen? Sie lassen immer noch genügend Raum für Interpretation und Methodenkritik. „Wir sind in einer wissenschaftlichen Sackgasse“, meint Linde. Auch sieht er das wissenschaftliche Kernproblem in dem Mangel an Reproduktionen erfolgreicher Studien. „Wenn sich nur drei bis vier der vorliegenden soliden Studien wiederholen liessen, wäre dies ein Durchbruch.“
Doch selbst das – so vermutet er – würde bei den Skeptikern auf taube Ohren stossen.
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, werden sie deshalb weiterhin unverdrossen ihre publikumswirksamen Happenings auf prominenten Plätzen veranstalten und die homöopathische Forschung ignorieren.

Natürlich hat das Ganze auch eine finanzielle Komponente. Da die Homöopathieverbände nicht über die Mittel verfügen um sich einer breiteren Öffentlichkeit im richtigen Licht zu präsentieren oder eine Studie nach der anderen zu reproduzieren, ist sie auf interessierte Journalisten angewiesen.

Aus all diesen Gründen müssen immer noch viele Patienten auf eine angemessene homöopathische Behandlung in Spitälern, Allgemeinpraxen und auch Altersheimen verzichten. Das obwohl die homöopathische Therapie nachweisbar kostengünstig und wirksam, wenn auch nicht erklärbar ist. Als Gesellschaft darf man sich fragen; wollen wir das?

 

Literaturnachweis

-        Spektrum der Homöopathie Nr. 2/2013



-         [1] Die randomisierte kontrollierte Studie (RCT englisch: randomized controlled trial) ist in der medizinischen Forschung das nachgewiesen beste Studiendesign, um bei einer eindeutigen Fragestellung eine eindeutige Aussage zu erhalten und die Kausalität zu belegen. Deshalb wird auch vom „Goldstandard“ der Studienplanung bzw. des Forschungsdesigns gesprochen. Daneben werden RCTs unter anderem auch in der psychologischen und ökonomischen Forschung eingesetzt. Auf den Ergebnissen von RCTs basiert die Evidenz basierte Medizin

-         [2] Die Versorgungsforschung  untersucht die Kranken- bzw. Gesundheitsversorgung, entwickelt darauf aufbauend neue Konzepte und erprobt diese in der Praxis. Die Versorgungsforschung bildet damit die Brücke zwischen biomedizinischer und klinischer Forschung einerseits und medizinischen Interventionen unter Alltagsbedingungen andererseits; ihr Forschungsgegenstand ist gewissermassen die «letzte Meile» zum Patienten.

 

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